Die Milchmädchenrechnung oder warum Ausschüttung nicht gleich Rendite ist
Posted in Allgemein, Geschlossene Immobilienfonds, Immobilieninvestment Allgemein on Dezember 12th, 2010 by advisoradmin – 1 Commentdie Anbieter von geschlossenen Immobilienfonds werben mit einer prospektierten und prognostizierten Ausschüttung Ihrer Produkte. Eine Ausschüttung von 6% oder sogar mehr sieht man als normal an. Die Zahl 6 gehört zu den klassischen “Vorurteilen” der Immobilie, auch heute noch repetieren viele Menschen das Ihre Immobilieninvestments auf lange Sicht immer um die 6% gebracht haben. Da ist aber alles anderes als sicher und keineswegs auf die Zukunft projizierbar. Die durchschnittliche Rendite welche offene Immobilienfonds derzeit angeben liegt bei ca. 2%. Warum soll ein geschlossener Fonds das Dreifache bringen? Die 6% sind eine ordentliche Verzinsung die es nirgends sonst gibt, zumindest nicht ohne Risiko. Genau das ist der Regulator, nur mit außergewöhnlich hohem Risiko sind heute 6% Rendite darstellbar. Das ist aber das was die meisten Menschen überhaupt nicht wollen und fälschlicherweise denken das Investment in einen Immobilienfonds wäre sicher. Das Immobilien als sicher angesehen werden, ist ein weiteres gefährliches Vorurteil. Geschlossene Immobilienfonds sind eine unternehmerische Beteiligung und damit auch mit entsprechenden Risiken behaftet. Wie hoch die Risiken wirklich sind, wird meist völlig verkannt.
Die meisten Anleger und Investoren verstehen das Thema Ausschüttung nicht ansatzweise, deshalb möchte ich hier nochmal besonders darauf eingehen. Viele sprechen von ”Zins” oder “Rendite” im Zusammenhang mit der prognostizierten Ausschüttung. Der Fonds “bringt” 6%, gefördert vom provisionsmotivierten Verkäufer der den Anleger in diesem Glauben läßt. Um aber eine 6%ige Ausschüttung als gleich hohe Rendite zu definieren, wird immer wieder vernachlässigt, das eine Rückzahlung der Einlage zu 100 erfolgen muss. Das geht nur wenn das Asset, die Immobilie, verkauft wird.
Bei der Prüfung eines Angebotes gehe ich deshalb so vor, das ich die Plausibilität der möglichen Rückzahlung untersuche um fest zu stellen ob und zu welchem Prozentsatz die Rückzahlung eines Fonds möglich und wie wahrscheinlich ist.
Die Konzeption von geschlossenen Fonds mit überschaubaren kurzen Laufzeiten trägt dem Umstand Rechnung, dass die Zeiten ungewiss sind, das ist grundsätzlich gut, allerdings ist die logische Konsequenz das riskante Geschäftspraktiken und dazu gehören auch horrende weiche Kosten und Vorauszahlungen auf zukünftige Gewinne in Form von Ausschüttungen, ganz einfach nicht gemacht werden dürfen.
Damit ein einbezahltes Eigenkapital in eine KG mit allen Ihren Kosten und allen Risiken zu 100% zurückbezahlt werden kann, muss die Immobilie die sich in diesem Fonds befindet, deutlich an Wert zu legen nur um die weichen Kosten auszugleichen. Das ist bei fast allen Fonds absolut chancenlos. Insbesondere bei Fonds mit einem hohen Anteil an Supermärkten auf der grünen Wiese und bei Fonds mit Büroimmobilien die nicht zu den Kernlagen gehören. Diese haben nicht die Spur einer Chance überhaupt eine Wertsteigerung zu erzielen. Die Rückzahlung zu 100% um damit z.B. eine 6% als Rendite “zu bestätigen” ist aussichtslos. Im Gegenteil, durch den Fremdkapitalhebel, durch den die Ausschüttung überhaupt erst erreicht wird, verschlimmert sich dieser Effekt nochmal dramatisch. Wenn man nur 50, 60 oder 70% seines einbezahlten Eigenkapitals beim Verkauf der Immobilie zurück bekommt, wird je nach Investitionszeitraum aus den 6% vermeintlicher Rendite ganz schnell ein Verlustgeschäft, als ein solches schätze ich ein Großteil der Angebote an geschlossenen Fonds ein. Damit schließe ich sogar diese Fonds ein die als 100% sicher angesehen werden, die Fonds mit Immobilien die an bonitätsstarke oder staatliche und sichere Mieter vermietet sind.
100% Vermietungsstand und bonitätsstarke Mieter sind keine Garantie gegen ein Verlustgeschäft!
Am Anfang der Investition stehen die weichen Kosten die mit dem Investment verbunden sind, diese sind bei vielen Fonds um die 20%. Das würde bedeuten das ich bei 6% Nettomietrendite der Immobilie bereits ca. 3 Jahre “zurück” liege. Nach Ablauf von 10 Jahren, wenn der Mietvertrag endet, muss die Immobilie diese 20% an Wert zugelegt haben. Muss aber auch die nicht umlagefähigen Nebenkosten und die Instandhaltungskosten verdient haben und das Risiko des Ausfalls tragen. DAS GEHT NICHT! Bei einem sicheren Mieter ist nur die Zeit des Mietvertrages sicher. Optionen des Mieters sind hierbei keine Verlängerung sondern nur ein Hindernis beim Verkauf. Diesen Risiken kann ich nur begegnen, wenn ich die Frage nach der Drittverwendungsfähigkeit eindeutig beantworten kann, das ist die entscheidende Grundlage für den wirtschaftlichen Erfolg einer Immobilieninvestition. Die Antwort auf die ganz banale Frage was ich mit der Immobilie oder dem Grundstück mache wenn das aktuelle Vermietungskonzept nicht mehr passt. Gerade im Einzelhandel ist dies extrem wichtig, unter der Anzahl der tausenden von Supermärkten und Fachmarktzentren die in den letzten Jahren gebaut wurden und noch geplant sind werden sich meiner Meinung nach mindestens 30% als “Totgeburten” entlarven. Das wird sich aber erst am Ende der jeweiligen Mietverträge herausstellen. Überangebot, Verdrängung und eine sich extrem schnell entwickelnde Zeit mit ungewissem Ausgang der Zukunft. Vielleicht wird in 10 Jahren keiner mehr einen Supermarkt besuchen, sondern seine Einkäufe ausschließlich über das Internet tätigen? Selbst wenn das nicht alle machen, was ist wenn dies nur 20% machen? Dann werden ein Großteil dieser Immoblien nicht mehr gebraucht und dramatisch an Wert verlieren. Bereits heute verbieten viele Städte den zentrumsrelevanten Einzelhandel damit die Innenstädte nicht veröden, ein Trend der sich fortsetzen wird.
Es gibt nur eine Lage, die 1A Lage, die Core-Lage wie man auch sagt, egal ob Einzelhandel, Büros oder Wohnimmobilien, nur die ausgezeichneten Lagen bieten so etwas wie Sicherheit. Solche Lagen muss man aber auch erkennen. Nur wenn ich sicher annehmen kann, das ich die Immobilie schnell und problemlos weiter vermieten kann, dann habe ich so etwas wie Sicherheit erreicht.